„Hott die Welt ach en Knall feiern mir trotzdem Karneval“
Gemeindefasching in St. Michael Dannstadt
Am 31. Januar fand in Pfarrsaal von St. Michael eine stimmungsvolle Faschingssitzung statt und die Gemeinde auf humorvolle Weise auf die närrische Zeit einstimmte. Der Saal war festlich geschmückt, und machte den Geist des Karnevals spürbar.
Nach der Eröffnung stieg Mike Herty als Till Eulenspiegel in die Bütt und stellte zunächst den Ursprung der Faschingsrufe heraus „Helau ist das Halleluja aus der katholischen Messe; „Ahoi“ passt zu den Schiffen am Rhein,“ erklärte er ehe er als Till vielen Bereichen auf der Welt in Reimform auf Pfälzisch den Spiegel vorhielt. Sein Blick ging von den Weltmächten über die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz bis zur Pfarreireform im Bistum. Seiner Erkenntnis: „Leit, die hähn en Sparre, gibt´s mehr als mer denkt“ und dem Schlussvers nach jedem Thema „Mal g´spannt, was rauskommt da am End“ konnten viele Besucher zustimmen.
Mike Herty war gegen Ende der Sitzung noch einmal am Rednerpult diesmal als Beobachter im Seniorenstift. Wieder gelang es ihm, diesen Vortrag durchgängig im geschliffenem Reim zu performen. Er berichtete mit viel Augenzwinkern, was alles im Altenheim passiert, wobei das Alter mit viel Humor dargestellt wurde. Seine Rede war gespickt mit Wortspielen und Ironie, was dem Publikum gefiel.
Auch Michael Herbold, der in Dannstadt als Karnevalist der ersten Stunde gilt, war mit zwei Redebeiträgen aktiv, zunächst als Frauenversteher. Mit launigen Versen wie: „Es macht keinen Sinn für Frauen über die Männer zu jammern, denn sie müssen mit dem Material auskommen, was sie haben.“ Oder: „Eine längere Verlobungszeit verkürzt die Ehe,“ erntete er so manchen Lacher. Als Müllmann im zweiten Auftritt hob er hervor, welche Rückschlüsse man aus dem Abfall der Menschen auf deren Lebenswandel ziehen kann und bediente dabei so manches Klischee.
Carmen Jacoby und Lucia Görtz aus Mutterstadt hatten zwei Faschingsdialoge dabei: Ihr Gespräch von Frauen über ihre Ehemänner war eine humorvolle Reflexion eines langen Ehelebens. Dabei schwankten sie zwischen Lästern und dann doch der Zufriedenheit mit dem Partner. Für den zweiten Beitrag schlüpften die Karnevalistinnen ins Priesterkostüm und erzählten sich herrlich heiter Ungereimtheiten im Leben eines Pfarrers. Natürlich durfte dabei der alte Kalauer nicht fehlen: „Meinst Du, wir erleben noch, dass der Zölibat abgeschafft wird? – Wir nicht mehr, aber vielleicht unsere Kinder….“
Moderatorin Ulrike Fußer führte galant durch den Abend, würdigte jeden Beitrag und überreichte den Saumagenorden des Gemeindeausschuss Dannstadt an alle Aktiven. Außerdem ermunterte sie zum Singen und Schunkeln, sodass bei bekannten Liedern wie „Rucki Zucki“ und „Am Rosenmontag“ die Stimmung im Pfarrsaal angeheizt wurde.
Alfons Kessler nahm ein Potpourri an Themen in den Blick. Ein Resümee seines Faschingsbeitrages passte gut zum Abend: „Lachen ist die billigste Art etwas zu verschenken.“ Roland Stolle lockerte mit einem Gedankenexperiment die Atmosphäre auf: Er übertrug das Lebens Jesu auf das Steuersystem und die Arbeitswelt heute. Mit viel Spitzfindigkeit meinte er nach jeder Überprüfung „Wir müssten Jesus heute verklagen.“ Walter Borkowski trat als Pfälzer Mädel auf und war zu seinem Vortrag bezaubernd feminin zurechtgemacht. Seine KI Übersetzung ins Pfälzische brachte er sehr sympathisch in die Bütt.
Passend für den Auftritt von Michael Fußer wurde die Bühne zum Klassenzimmer dekoriert. Als Lehrer sorgte er mit seinem humorvollen Blick auf den Schulalltag für viele Lacher, als er von den kuriosesten Momenten in Unterrichtsstunden quer durch alle Schulfächer berichtete. „Kennt ihr einen römischen Dichter? – Na klar,Achilles, der ist doch für seine F(V)erse berühmt geworden.“Michaels Rede war eine wunderbare Mischung aus Witz und Lebensnähe, die bei manchem der Zuhörenden auch die Erinnerung an heitere Momente der Schulzeit weckte.
Ohne den Auftritt des Pfarreiteams kann keine Faschingsveranstaltung in Heiliger Sebastian laufen. So waren die Pfarreisänger auch in Dannstadt ein Höhepunkt der Faschingssitzung. Pfarrer Hergl, Diakon Kaspar und Kaplan Jaimon wurden vom Liedtexter Michael Herbold beim Auftritt unterstützt. Sehr gut untermalte Fabian Rief die närrische Stimmung der Pfarreisänger am Akkordeon mit perfekten Klängen. Der Refrain „Oi Joi Joi Joi - jetzt trink ich erst amol än Woi ….“ ist mittlerweile zu einer Faschingshymne der Pfarrei geworden, bei dem der ganze Saal lautstark mitsang. In den Strophen ging es thematisch quer durch die Pfarrei: Die Firmung, Aufenthalte von Kaplan Jaimon in Indien und auch Dannstadter Interna wurden besungen.
Der Vorsitzende des Gemeindeausschuss Dannstadt, Guntram Welsch dankte am Endes des Abends allen Aktiven, Helfenden und Gästen voller Freude, dass der Gemeindefasching in dieser Form gefeiert werden konnte.
In der Pfarrei Heiliger Sebastian wird deutlich, dass Karneval und Kirche einen gemeinsamen Auftrag haben - beide sollen bunt sein, vielfältig und den Menschen Lebensfreude geben. Wie gut, dass diese Schätze der Fröhlichkeit in der Pfarrei gelebt werden.