Kirche


Die Rödersheimer Kirche ist eine der wenigen barocken pfälzischen Dorfkirchen im authentischem Stil des 18. Jahrhunderts.

Das Gotteshaus ist aber vor allem das Wahrzeichen des Ortes und begleitet in der Gemeinde unzählige Generationen durch die Jahrhunderte. Trotz intensiver Nutzung und entsprechend vielen Renovierungs- und Umbauarbeiten hat sie ihren typischen Charakter bis heute bewahrt.
Rödersheim – erstmals erwähnt 858 – wurde nach der Gründung durch fränkische Siedler im 6. Jahrhundert schon früh Gutshof der „Brüder des Doms zu Speyer“ (später das Speyerer Hochstift), ist eventuell sogar durch diese gegründet. Damit war auch die erste Eigenkirche des Domes. Von der Übertragung der Nutznießung des Dorfes an Konrad den Roten – Vorfahr der Salischen Kaiser – im Jahr 946 wurde die Kirche explizit ausgenommen. Mit dieser ersten urkundlichen Erwähnung verblieb auch die Bau- und Unterhaltspflicht der Kirche beim Dom.

Die Kirche steht auf einer kleinen Anhöhe, die wohl sogar künstlich zusätzlich aufgeschüttet wurde, um das Gebäude vor den üblichen Überschwemmungen und vor Angriffen besser zu schützen.

Mit dem begrenzten Platz auf der Motte erklärt sich die untypische Süd- Ausrichtung der Kirche. Im 11. Jahrhundert wurde der bisherige Bau –  wahrscheinlich aus Holz oder Fachwerk – im Zuge der Baukampagne des salischen Doms in Speyer durch eine steinerne Kirche ersetzt, von der in der heutigen Kirche eine Reihe von Steinen berichten, die in der für diese zeit typischen Art behauen wurden. Einen vergleichbaren Bau stellt die heutige evangelische Kirche in Friedelsheim dar.
Im übrigen existieren nur wenige Erwähnungen des mittelalterlichen Kirchenbaus. Eine umfangreiche Sanierung erfolgte nach 1521 mitsamt einer Neugestaltung des Umfelds unter Einbindung der benachbarten Zehntscheune und des Beinhauses. In dieser Zeit bis zur Reformation war die Alsheimer Kirche St. Alban (heute Ortsteil Gronau) Filialkirche.

Vor 1606 erhielt die Kirche einen neuen Turm an der Stelle des jetzigen. Der „Alte Turm“ diente seitdem als Sakristei. Während des dreißigjährigen Krieges 1618 bis 1648 wurde die Kirche beschädigt und notdürftig repariert, 1738 schließlich komplett bis auf die Fundamente abgetragen und auf diese die jetzige Kirche als barocke Hallenkirche neu errichtet. 1741 wurde auch der heutige Kirchturm fertiggestellt.

Das Patronat des Heiligen Leo wurde wohl von der Vorgängerkriche übernommen – dieses könnte bereits seit der ersten Kirche Bestand haben, als Papst Leo angesichts der Normannen- und Ungarn-Bedrohung im 9. und 10. Jahrhundert oft als Schutzpatron angerufen wurde.

Der neue Bau nutzt die Südausrichtung des Gebäudes und nimmt das natürliche Lichtspiel der Sonne in typischem barocken Gedankengut als zentrales Element in die Architektur mit auf. Chor- und Gemeinderaum finanzierte das Hochstift Speyer, Turm und Seitenkapelle (der frühere alte Turm) trug die Dorfgemeinschaft. Deshalb zeigt die Kirche unter anderem heute im Hallenbereich „neue“, regelmäßige Ecksteine, während für Turm und Kapelle Steine des Vorgängerbaus eingebaut wurden, so dass hier eine sehr unregelmäßige Quaderung sichtbar ist.
Erst rund 40 Jahre nach dem Neubau erhielt die Kirche den Hochaltar mit Kreuz, dem allsehenden Auge und mit den Statuen der beiden Kirchenpatrone St. Leo und St. Nepomuk. Stilistisch ist er im Übergang zwischen Spätbarock und Klassizismus anzusiedeln („Zopf-Stil“).

Deshalb ist der Hochaltar nicht mehr Bestandteil des Gebäudes – wie im Barock postuliert – sondern erscheint als eigenständiges Mobiliar.
Die Seitenaltäre – wohl zeitgleich entstanden wie der Hochaltar – wurden aus dem Inventar des aufgelösten Kappuzinerklosters in Mannheim 1839 aufgekauft und ergänzen den Hochaltar, als ob sie von anfang an zusammen gehörten. Die ursprünglichen Statuen in den Altarnischen der Seitenaltäre waren wohl schon verkauft und als Ersatz die beiden Altarbilder unbekannter Künstler mitgenommen.
Im Laufe des 19.Jahrhundert wurde der Kirchenraum immer prächtiger ausgestattet, zum Beispiel die Altarfiguren der Seitenaltäre (jetzt dem Hochaltar beigestellt), die Kreuzwegbilder, die Kommunionbänke oder auch die nicht mehr vorhandene Kanzel.

Seit der Zeit um 1850 wuchs die Gemeinde im Zuge der Industrialisierung stark an – die Kirche bot zu wenig Platz. 1907 wurde deshalb der Chorraum abgerissen und der neue heutige Chorraum mit Sakristei angebaut. Die bisherige Sakristei wurde zur Taufkapelle und wird seit dem ersten Weltkrieg als Tauf-, Gefallenen-Gedenk und Beichtkapelle genutzt.

Rudimentär erfolgte sogar eine Ausmahlung des neuen Chorraumes in den folgenden Jahren, die früheren Deckengemälde konnten jedoch nicht erhalten oder ersetzt werden.
Einige Skulpturen begleiteten die barocke Kirche seit ihres Baus. So stammt die steinerne Marienstatue über dem Hauptportal – deren Alter nicht bestimmt werden konnte – , die Marienstatue an der Ostseite sowie die Taufgruppe bei der Kapelle aus der Zeit vor oder kurz nach dem Kirchenbau. Die weiteren Figuren wurden dem Kirchenschmuck im Laufe der Jahrhunderte hinzugefügt.

Das Geläut der Kirche besteht seit 1925 aus drei Glocken. Aktuell läuten die Sebastiansglocke (Tonlage -a-) aus dem Jahre 1925 mit ca 7,5 Zentner, aus dem Jahre 1952 die Glocke St.Maria (Tonlage -g-) mit ca. 625kg sowie St. Leo (Tonlage -e-) mit 1040 kg.

1965 erhielt die Kirche eine erneute Kernsanierung und im Wesentlichen ihr heutiges Aussehen – nur die Mauern blieben stehen, die Dächer von Halle, Turm und Kapelle wurden komplett erneuert, ebenso die Decken, Fenster und Böden. Die Wand- und Deckenbemalung wurde im Zuge des Zweiten Vatikanums nicht mehr wieder hergestellt, ebenso die Kanzel entfernt: Das Sonnenlicht ist seitdem wieder ein zentrales architektonisches Element des Kirchenraumes.

Im Zuge der 25 Jahre späteren erneuten Sanierung erhielt die Kirche 1989 den heutigen Altartisch. Die letzte Innensanierung erfolgte 2009 innerhalb kürzester Zeit und dank vieler freiwilliger Helfer zwischen Aschermittwoch und Palmsonntag. Deren Kosten wurden ausschließlich aus Spenden der Gemeinde und durch die Mithilfe der Gemeindemitglieder bei den Arbeiten für Gotteslohn bestritten. Für die kommenden Jahre steht insbesondere die Renovierung der Außenfassade sowie der Orgel aus dem Jahre 1974 an.

Pfarrei Hl. Sebastian

Die Pfarrei Hl. Sebastian Dannstadt setzt sich seit 2016 aus den bis 2015 selbständigen Pfarreien St. Medardus in Mutterstadt, St. Peter in Hochdorf-Assenheim, St. Leo in Rödersheim Gronau und St. Michael/ St. Cäcilia in Dannstadt-Schauernheim zusammen.

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